Evangelium am Ostersonntag

Evangelium am Ostersonntag

Spät nach dem Sabbat aber, im Aufleuchten des ersten Wochentages, gehen Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach der Grabesstätte zu schauen.

Und da! Ein Beben ist, ein großes. Denn: Ein Engel des Herrn steigt aus dem Himmel hernieder und tritt hin, wälzt den Stein weg und setzt sich darauf.

Wie ein Blitz ist sein Aussehen und sein Gewand weiß wie Schnee.

Aus Furcht vor ihm erbeben die Wächter und werden wie Tote.

Der Engel hebt an und spricht zu den Frauen: „Ihr da – ängstigt euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier! Denn auferweckt ist er, wie er gesprochen. Kommt her, seht den Ort, wo er gelegen! Eilt, geht hin und sprecht zu seinen Jüngern: Auferweckt ist er von den Toten. Und da! Er geht euch nach Galiläa voraus, dort werdet ihr ihn sehen. Da! Ich habe es zu euch gesprochen.“

Und schnell gehen sie weg vom Grab, voll Furcht und großer Freude. Und sie laufen, um es seinen Jüngern zu berichten.

Und da! Jesus kommt ihnen entgegen und sagt: „Freut euch!“

Und sie treten heran, ergreifen seine Füße und verneigen sich tief vor ihm.

Darauf sagt Jesus zu ihnen: „Ängstigt euch nicht! Geht, berichtet meinen Brüdern, sie sollen weggehen nach Galiläa,
und dort werden sie mich sehen.“

Matthäus 28,1-10

Gedanken

Während meines Studiums habe ich studiert, klar. Danach habe ich angefangen zu verstehen und zu begreifen, was der christliche Glaube mit mir und meinem Leben zu tun hat.

Dabei hat mir ein Mensch geholfen, der mich sehr stark und nachhaltig geprägt hat und den ich deshalb auch oft und gern zitiere: Elmar Gruber. Er war Religionspädagoge, Priester und Autor, lebte von 1931 bis 2011.

Die wertvollsten Exerzitien durfte ich bei ihm erleben. Im Angesicht seines Todes hat er einen Brief an seine Freund*innen geschrieben, den ich zitieren darf, für mich ein echter Osterbrief:


„Liebe Freunde!

Ihr sollt nicht trostlos sein über den Tod oder über mein sterben. Das „Stirb – Werde“ ist ein LEBENSgesetz. Das kurze „Stirb – Werde“, das mir zugedacht war, ist so erfüllt von Glück, Leben, Liebe, dass ich euch allen nur dafür danken kann. Durch euch durfte ich erfahren, was das ist: „das Leben, das den Tod nicht kennt!“ Ich durfte sterben „gesättigt am Leben“.
Wofür ich leben konnte, dafür kann ich auch sterben. „Ob wir leben oder sterben, wir sind des Herrn.“Ich bin sehr, sehr glücklich: ich durfte vieles, was in mir war, in Büchern, Aufsätzen, Vorträgen, Predigten und Werkstücken zum Ausdruck bringen.
Und dies war immer so interessant, so überwältigend! In mir ist so vieles, was so ganz und gar „nicht-ich“ bin; ich durfte so viel geben und dabei immer erfahren, dass es


nicht ich bin, der gibt; ich durfte dabei sein, wenn der „Name Gottes“ „geheilt“ hat; ich durfte dasselbe er-leben, was jene Menschen vor dreieinhalb tausend Jahren mit El, Jahwe erlebten und später mit Jesus.
So konnte und wollte auch ich nichts anderes, als dieses Glück, mein Glück (=seinen Namen) künden. Unser Stirb-Werde-Dasein hat nur diesen Sinn: das Glück, das Leben, die Liebe zu erfahren und im Erfahren erfahrbar zu machen.
Fragt darum bitte nicht nach mir, nach diesen „leeren Hüllen“, gewoben aus Angst, Unmoral, Lächerlichkeit, Krankheit.
Fragt nach dem, was darin ist, was nicht von mir, nicht von diesem kleinen „ego“ ist. Nur Sterbliches kann sterben und es muss sterben,

um das Leben freizugeben. Leben lebt immer…
Wenn zu meinen (biologischen) Lebzeiten – ohne allen Eigenverdienst, trotz, mit und in aller meiner Schwachheit – Christus, das Leben, die Liebe, anwesend war, dann darf auch ich, ohne anmaßend zu sein, sein Wort in den Mund nehmen und sagen: Seht ich bin bei euch alle Tage, immer.

Stärker als der Tod – ist die Liebe.

Euer Elmar Gruber“


Immer noch tief berührt und dankbar belasse ich es heute bei seinen Worten.

Stefan Spitznagel