Evangelium und Gedanken zum Sonntag - 02.08.2020

Evangelium

Als Jesus hört, dass Johannes enthauptet ist,
fährt er in einem Boot an einen öden Ort – abseits.
Aber die Scharen hören es und folgen ihm zu Fuß
von den Städtern her.

Wie er aussteigt, sieht er viele Leute.
Da wird ihm weh um sie
und er macht die Elenden unter ihnen heil.

Da es Abend wird, treten die Jünger zu ihm und sagen:
„Öd ist der Ort, und die Stunde ist schon vorgerückt;
entlass nun die Scharen, dass sie in die Dörfer gehen
und sich Essen kaufen.“

Aber Jesus spricht zu ihnen: „Sie brauchen nicht
wegzugehen, gebt ihr ihnen zu essen!“

Und sie sagen zu ihm: „Wir haben nur fünf Brote und
zwei Fische hier.“

Er spricht: „Bringt sie her zu mir!“

Und er gebietet den Scharen, sich auf dem Gras zu lagern.
Er nimmt die fünf Brote und die zwei Fische,

blickt zum Himmel auf, spricht die Preisung, bricht und gibt
den Jüngern die Brote, die Jünger aber den Scharen.

Und alle essen und werden satt.

Und den Überschuss der Brocken heben sie auf
– zwölf Körbe voll.

Die gegessen habe, sind an die fünftausend Männer,
ohne Frauen und Kinder.

Mt 14,13-21

Gedanken von Gabriele Greiner-Jopp und Stefan Spitznagel

„Wunderbar, einfach wunderbar“, denken oder sagen wir, wenn sich eine schwierige Situation überraschend zum Guten wendet,
wenn wir unerwartet etwas Schönes erleben,
wenn wir erleichtert sind,
weil unsere Ängste und Befürchtungen sich als unbegründet erweisen.

Dieses Evangelium dagegen beginnt nicht wunderbar.
Jesus will nach der Ermordung seines „Taufpaten“ Johannes, seines Cousins und Propheten-Kollegen, alleine sein und zur Ruhe kommen.
Wie wir, braucht auch er nach schrecklichen Ereignissen für sich Zeit zum Überlegen und neu sortieren, was nun wird.
Er will sich klar werden, was dieser Tod des Johannes für seinen eigenen Auftrag bedeutet.
Die Menschen, die seinen Aufbruch mitbekommen, lassen all dies nicht zu.

Vermutlich sind sie durch die Ermordung von Johannes dem Täufer ebenfalls verunsichert und orientierungslos. Sie folgen Jesus. Und dieser sieht ihre Bedürfnisse. Und er reagiert. Sein Mit-Leiden ist heilsam an Leib und Seele für die Menschen. „Er heilt die Kranken, die bei ihnen waren“, schreibt Matthäus.

Schon das ist wunderbar: sehen wollen, was Menschen kränkt und dann so mit ihnen umgehen, dass sie geheilt sind.

Was würde sich ändern in unserer Gesellschaft, in unserer Kirche, in unserer Welt, wenn wir so handelten?
Im Evangelium ist es jedoch nur die Vorstufe, die Einleitung für das folgende, große Wunder der Brotvermehrung.

Von diesem Wunder berichten alle vier Evangelisten. Es scheint eine zentrale Geschichte, ein besonderes Ereignis für die Botschaft Jesu zu sein.

Nicht besonders überraschend ist das, wenn wir bedenken, dass Jesus in Bethlehem, im „Haus des Brotes“ geboren ist.
Nicht überraschend, wenn wir bedenken, dass für Jesus die grundlegenden Bedürfnisse der Menschen eine zentrale Rolle spielen.
Nicht überraschend, wenn sein Testament an seine Jüngerinnen und Jünger ein Mahl isz, das ihn in Brot und Wein gegenwärtig sein lässt.

Brot steht für das, was Menschen notwendig zum Leben brauchen. Satt sollen sie werden, an Leib und Seele. Offensichtlich braucht es dafür nicht viel. Fünf Brote und zwei Fische, das ist vorhanden und das ist genug. Mehr als genug, wie sich später herausstellt.
Die Zahl sieben, die sich aus den fünf Broten und den zwei Fischen ergibt, sagt uns auch: Gottes Geist ist da, wir begegnen ihm in den sieben Gaben des Heiligen Geistes.

Damit haben wir die Fülle, die Summe aus der göttlichen Drei und der menschlichen Vier. Wie Gott am siebten Tag der Schöpfung ruht, so dürfen jetzt die Menschen zur Ruhe kommen. Sie sollen sich lagern, bevor sie satt werden.
Viel Gelassenheit und Vertrauen spricht aus diesem Handeln Jesu. Auch davon können wir lernen: Die Situation beachten, Hektik vermeiden, zur Ruhe kommen, Gott, sich selbst und anderen etwas zutrauen.
Im Grunde ist es ganz einfach, was Jesus da tut und doch ist es wunderbar: er dankt Gott dafür, dass genügend da ist, dass reicht, was da ist und dass miteinander teilen reicher macht.

Jesus vertraut darauf, dass jede und jeder was zu geben hat, dass Mit-Leiden auch Mit-Teilen heißt.
Die zwölf Körbe, die übrig bleiben, stehen für das ganze Volk Israel, die zwölf Stämme und für die ganze Zeit, für Tag und Nacht. In Israel dauern Tag und Nacht etwa gleichlang, je zwölf Stunden.
Auch heute stehen die zwölf Körbe für uns alle, das ganze Volk Gottes, die uns gegebene Zeit. Das Wunder der Brotvermehrung ereignet sich heute noch, wenn jede und jeder gibt, was er und sie hat an Gaben, an Fähigkeiten, an Zeit.
Wenn jede und jeder voll Vertrauen auf die Fülle, die Gott uns schenkt, gibt, dann ist mehr als genug für alle da. Dann werden wir alle satt. Zu jeder Zeit.

Ist das nicht wunderbar?