Evangelium und Gedanken zum Sonntag - 23.08.2020

Evangelium

Jesus kommt in die Gegend von Cäsarea Philippi und
fragt seine Jünger: „Was sagen die Menschen,
wer Menschensohn sei?“

Sie sprechen: „Die einen – Johannes der Täufer;
andere – Elija; wieder andere – Jeremia oder
einer der Propheten.“

Sagt er zu ihnen:
„Ihr aber – was sagt ihr, wer ich sei?“
Da hebt Simon Petrus an und spricht:
„Du bist der Messias,
der Sohn Gottes - des Lebendigen.“

Mt 16,13-16

Gedanken

Ihr aber was sagt ihr, wer ich sei?
Bevor ich sagen kann, wer Jesus für mich ist, muss ich in mir eine Antwort haben.
Diese finde ich im Hören, im In-mich-Hineinhören. Wer ein anderer Mensch für mich ist, klärt sich in der Beziehung, in der Auseinandersetzung und ist immer auch veränderbar. Wer Jesus für mich ist, unterliegt wie jede Beziehung einer Entwicklung.
Das ist nichts Statisches, sondern ein lebendiger Prozess.

Das Evangelium führt mich langsam an eine Antwort heran.
Zunächst will Jesus wissen, was Leute von ihm denken, für wen sie ihn halten.
Für Johannes den Täufer wird er von vielen gehalten.
Johannes taufte am Jordan, es war eine Busstaufe, verbunden mit einem moralischen Appell und der Androhung von Gottes Strafgericht.

Dieser Johannes wurde enthauptet und könnte in den Augen der Leute auferstanden sein.
Jesus will nicht ein zweiter Johannes sein.
Jesus will Mut machen und keine Angst verbreiten. Gott hat die Kraft zum Guten in uns grundgelegt. Deshalb sollen wir das Leben anpacken und die Menschen nicht richten, sondern aufrichten.

Andere halten Jesus für den wiedergekehrten Elija.
Dieser war mit einem Feuerwagen in den Himmel aufgefahren. Er könnte zurückgekommen sein. Elija steht für den Kampf gegen falsche Götter, gegen politische und soziale Unterdrückung. Die Menschen hatten gehofft, Elija kommt wieder und befreit das Volk Israel von der Macht der Römer.

Jesus will nicht der zurückgekehrte Elija sein. Jesus hofft auf eine Lösung von innen, nicht von außen.

Als Drittes könnte er einer der anderen Propheten sein.
Ein Prophet spricht von Gott und fordert die Menschen auf, Gott im eigenen Leben zu suchen und zu finden.

Wir Menschen sind selber verantwortlich für unser Leben, nicht die Machthaber, nicht das Schicksal der Geschichte, nicht die religiösen Führer, nicht das Reden wie „man“ sagt, „man“ tut.

Jesus ist durch und durch geprägt vom Vertrauen, dass im Herzen eines jeden Menschen zu finden ist, was richtig ist. dazu bedarf es der Schulung des eigenen Gewissens.
Jede und jeder kann erkennen, was Gott von ihr und ihm will,
jede und jeder kann Gottes Stimme hören,
jede und jeder kann erfahren: ich bin von Gott geliebt.

In diesem sinn ist Jesus ein Prophet. Deshalb geht es ihm nicht darum, was die Menschen sagen.
Was ihn interessiert, ist: „Ihr aber, was sagt ihr, wer ich sei?“

Petrus springt ein: Du bist der Messias.
Im Folgenden macht Jesus deutlich, dass er eben nicht als der Befreier und König kommen will.
Sein Wesen lässt sich nicht im Katechismus, in einem Lehrsatz ausdrücken.

Sein Wesen bleibt ein Geheimnis. Es ist eine innere Vertrautheit, die in mir wachsen und reifen muss.

Vielleicht ist das manchen von uns zu wenig Antwort.
Ich finde, wenn wir dem nachgehen und nachspüren, dass ist das schon ganz schön viel.

Stefan Spitznagel