Evangelium und Gedanken zum Sonntag - 26.07.2020

Evangelium

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngerinnen und Jüngern:

Mit dem Himmelreich
ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war.
Ein Mann entdeckte ihn
und grub ihn wieder ein.
Und in seiner Freude ging er hin,
verkaufte alles, was er besaß,
und kaufte den Acker.

Auch ist es mit dem Himmelreich
wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte.
Als er eine besonders wertvolle Perle fand,
ging er hin, verkaufte alles, was er besaß,
und kaufte sie.

Wiederum ist es mit dem Himmelreich
wie mit einem Netz, das ins Meer ausgeworfen wurde
und in dem sich Fische aller Art fingen.
Als es voll war,
zogen es die Fischer ans Ufer;
sie setzten sich,
sammelten die guten Fische in Körbe,
die schlechten aber warfen sie weg.
So wird es auch bei dem Ende der Welt sein:
Die Engel werden kommen
und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern
und sie in den Feuerofen werfen.
Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.
Habt ihr das alles verstanden?
Sie antworteten ihm: Ja.

Matthäus 13,44-51

 

Gedanken

Im heutigen Evangelium wird ein Schatz gefunden. Der Mann ist auf einem Acker unterwegs und plötzlich entdeckt er ihn. Die Reaktion des Mannes zeigt, dass es sich um einen sehr wertvollen Schatz handelt. Denn er geht los und verkauft alles, um den Acker und somit den Schatz zu erwerben. Der Fund des Schatzes hat sein ganzes Leben verändert. Genau so erzählt es Jesus noch ein zweites Mal.
Ein Kaufmann findet eine lang gesuchte Perle – geht hin und verkauft alles.
Zwei kleine Begebenheiten, aber zwei komplett veränderte Leben.

Denn Schatz und Perle stehen für das Himmelreich.

An was denken Sie, wenn Sie das Wort Himmel hören?
In manchen jüdischen Vorstellungen und auch bei uns heute ist der Himmel oft der Ort, an dem Gott zu finden ist.
Ich verbinde mit dem Himmelreich vor allem ein Gefühl. Man sagt beispielsweise, wenn man verliebt ist „ich bin im siebten Himmel“. Alles scheint perfekt.

Oder über einen frisch gebackenen Kuchen sagt man, dass er „himmlisch duftet“. Solche Gefühle, wie wir sie hier auf der Erde manchmal erleben dürfen, sind der Dauerzustand im Himmelreich.

Für den Mann, der den Schatz so unverhofft im Acker entdeckt hat, hat es sich bestimmt wie im siebten Himmel angefühlt. Und für den Kaufmann, der endlich die wunderschöne Perle gefunden hatte, war es wie der Himmel auf Erden.

Daran, dass wir diese Glücksmomente immer mal wieder hier auf der Erde erfahren, merken wir, dass das Himmelreich schon angebrochen ist und nicht nur eine ferne Zukunft ist. Unsere Aufgabe ist es, diese Momente auszubauen, sodass möglichst oft und möglichst viele Menschen den Himmel auf Erden erleben können.

Eine Möglichkeit hierzu verrät uns das heutige dritte Gleichnis.

Darin vergleicht Jesus das Himmelreich mit einem Fischernetz. Die guten Fische werden in Körbe gesammelt und die schlechten weggeworfen. Dies klingt sehr ernst und urteilend. Wer gehört zu den guten Fischen und wer zu den Schlechten?

Es ist eine schwierige Frage und provoziert ein Schwarz-Weiß-Denken. Aber so einfach ist es nicht. Denn das Wichtige an diesem Gleichnis ist, wer am Ende der Zeit in Gut und Böse einteilt. Das sind nicht wir – das ist Gott! Es sind nicht unsere menschlichen Maßstäbe, die angelegt werden. Deswegen sollen wir uns kein Urteil über Menschen anmaßen. Vermutlich werden wir am Ende der Zeit sogar die ein oder andere Überraschung erleben.

Ich kann nicht mit Sicherheit sagen welche Maßstäbe Gott anwenden wird, aber ich bin mir sicher welche er nicht anwenden wird. Er wird nicht danach fragen, ob man arm oder reich war, welche Hautfarbe man hat oder welches Geschlecht.

Sondern es geht darum wie stark wir dabei mitgeholfen haben, das Himmelreich schon hier auf der Erde sichtbar werden zu lassen. Dass wir wie der Perlen-Kaufmann ständig auf der Suche nach dem Himmelreich sind, oder wie der Mann auf dem Acker unsere Augen und Ohren so weit offen haben, dass wir den Schatz „Himmelreich“ nicht übersehen.

Bei allem was ich von Gottes Botschaft verstanden habe, haben wir Grund zur Hoffnung, dass am Ende der Zeit alle Menschen versöhnt werden. Es ist wichtig, dass wir als Kirche diese Frohe Botschaft verkünden und uns nachdrücklich gegen Rassismus, Homophobie und jede Form der Diskriminierung von Menschen stellen.

Wenn ich mich das nächste Mal dabei ertappe, wie ich mir ein Urteil über jemanden erlaube, ermahne ich mich selbst und sage: Nein – nicht ich urteile, sondern Gott tut dies. Und ich kann mir sicher sein: wenn ich einschließe statt ausschließe wächst das Himmelreich ein kleines Stück und kann von anderen als Schatz im Acker oder als wunderschöne Perle entdeckt werden.

Svenja Stumpf