Evangelium und Gedanken zum 6. Sonntag der Osterzeit

Evangelium
 

Jesus sagte:
„Amen, amen, ich sage euch, wenn einer nicht durch die Tür in den Hof der Schafe hineingeht, sondern von anderswoher einsteigt, ist er ein Dieb und ein Räuber.

Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe.

Diesem öffnet der Türhüter, und die Schafe hören seine Stimme.

Und zwar ruft er die ihm eigenen Schafe beim Namen und führt sie heraus.

Sooft er die eigenen Schafe alle heraustreibt, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen.

Einem fremden Führer werden sie keinesfalls folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der fremden Führer nicht kennen.“

In dieser verhüllenden Art der Rede sprach Jesus zu ihnen. Jene aber erkannten nicht, was es war, das er ihnen verkündigend sagte.

Da sprach Jesus wieder:

„Amen, amen, ich sage euch: Ich bin da als die Tür für die Schafe.

Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber, aber die Schafe haben auf sie nicht gehört.

Ich bin da als die Tür. Wenn einer durch mich in den Hof hineingeht, wird ihm Heil werden, er wird hineingehen und hinausgehen und er wird dabei Weideplatz finden.

Der Dieb geht nur hinein, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten.

Ich bin gekommen, dass sie das Leben haben und zwar über das gewöhnliche Maß hinaus.“

Johannes 10,1-10

Gedanken von Elmar Gruber

Zugang haben

Der Zugang Gottes zum Menschen ist die Liebe.
Der Zugang des Menschen zu Gott ist die Liebe.
Jesus ist die Verkörperung der Liebe.
Jesus ist die Tür zu den Menschen und die Tür zu Gott.
Der Mensch hat sich eingeschlossen und abgeschlossen von Gott.
In Jesus ist die Tür wieder aufgegangen.
Jesus ist auch die Tür zu mir selbst:
In seiner Liebe kann ich mich verstehen und so annehmen, wie ich bin.

Im Bild vom Guten Hirten wird uns die erlösende Liebe Gottes in faszinierender Weise gezeigt:
Jesus ist Hirte, Tür und Türhüter zugleich.

Er Treibt mich an und geht mir voraus; er „schiebt“ mich im Leid und „zieht“ mich in der Freude.
Er kennt mich durch und durch und ruft mich beim Namen:
Wenn Menschen mich liebend, beglückt oder verzweifelt beim Namen rufen, ist ER die Ursache.

Die ganze menschliche Not drückt sich aus im Nicht-Kennen:
Ich kenne mich nicht, bin verkannt von mir selbst und von den anderen, aber nicht von Gott.
Bevor ich Gott erkenne, hat er mich erkannt.

Im Hebräischen hängen „erkennen“ und „lieben“ miteinander zusammen.
Wenn mich die Liebe Gottes durch Jesus erreicht und in mir aufgeht,
dann kommt dieser universelle Erkenntnisprozess in Gang:
Ich lerne mich, dich, Gott und alles kennen.

Ich erkenne in der Stimme eines liebenden Menschen die Stimme des guten Hirten.

Aber auch jeder Notschrei nach Liebe, der an mein Ohr dringt, ist ein Anruf des guten Hirten, der mich beruft, um durch ihn für andere guter Hirte, Tür und Türhüter zu sein.

Die Botschaften, die auf der „Wellenlänge der Liebe“ ausgetauscht werden, sind wahr, irrtumsfrei und vertrauenswürdig.
Durch menschliche Angst und Missgunst werden sie immer wieder verfälscht.

Gott will, dass es mir gut geht, dass ich schon jetzt, vor meinem Tod, das „Leben in Fülle“ habe.
Je mehr ein Mensch jetzt schon von der Fülle des wahren Lebens in sich hat, umso weniger kann ihm der Tod entreißen.