Evangelium und Gedanken zum Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel – 16.8.20

Evangelium

 

Maria macht sich auf den Weg und eilt in eine Stadt im Bergland von Judäa.
Sie geht in das Haus des Zacharias und begrüßt Elisabeth.
Wie Elisabeth den Gruß Marias hört, hüpft das Kind in ihrem Leib.
Da wird Elisabeth vom Heiligen Geist erfüllt und ruft mit lauter Stimme:
„Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt!
In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.“
Da sagt Maria:
„Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut,
siehe von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan,
und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht
über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmuth sind;
Er stürzt die Mächtigen vom Thron
und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben
und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an
und denkt an sein Erbarmen,
das er unsern Vätern verheißen hat,
Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.“
Und Maria bleibt etwa drei Monat bei ihr;
Dann kehrt sie nach Hause zurück.

Lukas 1,39-56

Predigt von Gabriele Greiner-Jopp
 

Weißt du, wo der Himmel ist – außen oder innen? Eine Handbreit rechts und links – du bist mittendrinnen – du bist mittendrinnen“

So heißt die erste Strophe eines Liedes von Wilhelm Wilms und Ludger Edelkötter. Dieses Lied geht mir zurzeit vermehrt durch den Kopf. In Zeiten, in denen sich unsere Vorstellungen von Gott und der Welt verändern, wo vieles ungewiss ist und die Zukunft nicht mehr so sicher, wie sie für uns längere Zeit schien – in dieser Zeit feiern wir Mariä Himmelfahrt. Wir feiern eine Frau, die mit ihrem Leben gezeigt hat, wie sich Erde und Himmel verbinden lassen. Wir feiern mit Maria eine Himmelskönigin, die den Menschen immer nahe war, die durch ihr Ja zu dem Kind Jesus den Himmel auf die Erde gebracht hat. Dieser Jesus hat verkündet, dass das „Reich der Himmel“ (Fridolin Stier) – so kann man den Begriff „Reich Gottes“ auch übersetzen – dass dieses Reich der Himmel schon jetzt mitten unter uns ist. Nehmen wir das ernst? Und wenn wir es ernst nehmen – was verändert sich für uns dann in diesen unsicheren Zeiten? Maria hat – zumindest zeitweise – darauf vertraut. Ihr Sohn Jesus hat so gelebt. Eine Handbreit rechts und links, wir sind mittendrinnen.

Weißt du, wo der Himmel ist – nicht so tief verborgen. Einen Sprung aus dir heraus, aus dem Haus der Sorgen – aus dem Haus der Sorgen.“

Sorgen hätte Maria, die Mutter Jesu genug gehabt: eine sehr junge Frau, ledig schwanger, später einen Sohn, der als Jugendlicher und Erwachsener eigene Wege ging, unbequem war und unangepasst; eine Verwandtschaft, die Jesus für verrückt erklären lassen wollte, und am Ende einen toten Sohn, als Verbrecher und Aufrührer gekreuzigt. Da hilft nicht einfach „ein Sprung heraus aus dem Haus der Sorgen“. Am Schluss war das ein Haus voll Schmerzen. Und trotzdem: Maria hat all dies durchgestanden ohne zu ver-zweifeln. Ihr kühnes Vertrauen vom Anfang auf Gottes Zusage, dass dieses Kind zum Retter werden wird, hat sie bis zum bitteren Ende getragen und in den Neufanfang der jungen Gemeinschaft seiner Jüngerinnen und Jünger. Dort ist Maria aufgenommen und angenommen. Dort lebt die Botschaft von Jesus Christus weiter und verbreitet sich. Die Legende erzählt, dass das Grab Marias voller Blumen war, als es nach ihrem Tod geöffnet wurde. Ich finde, das ist ein schönes Bild für den Glauben, dass Gott letztlich erblühen lässt, was wir auf Erden Gutes und Sinnvolles bewirkt haben. Damit dies möglich ist, braucht es unser Gottvertrauen oder – wie es im Lied/Gedicht heißt - einen Sprung heraus aus dem Haus unserer Sorgen, hinein in das Leben, oder Reich Gottes bzw. „Reich der Himmel“.

Weißt du, wo der Himmel ist, nicht so hoch da droben. Sag doch Ja zu dir und mir – du bist aufgehoben, du bist aufgehoben.“

Im Schwäbischen hat das Wort „aufgehoben“ eine doppelte Bedeutung: etwas von unten nach oben heben oder bei jemand angenommen sein, sich wohl und sicher fühlen.

Wenn wir heute das Fest „Mariä Aufnahme in den Himmel feiern“, klingt dieser Name etwas umständlich – im Volksmund heißt es ja weiterhin „Mariä Himmelfahrt“ – aber der offizielle Begriff „Aufnahme in den Himmel“ trifft genau das, was mit dem Begriff „aufgehoben“ gesagt wird: Das ganze Leben Marias war aufgehoben in der Liebe Gottes. Durch alle Tiefen, Zweifel und Höhen hindurch, hat sie Ja gesagt zu sich, ihrem Leben wie es war und damit zu Gott. Gegen allen äußeren Anschein ist sie dem Befreiungslied gefolgt, das sie bei Elisabeth gesungen hat, das wir als Magnificat kennen, und das wir im Evangelium gehört haben. Eine freie, starke, mutige und gläubige Frau – die feiern wir heute.

Eine Frau, die zu sich und ihrem Auftrag Ja gesagt hat, zu ihrem Sohn und der wir deshalb zutrauen, dass sie zu Menschen, die sie um Hilfe bitten ebenfalls Ja sagt.

Die Kräuter, die wir heute segnen, erinnern uns nicht nur an die Legende des Blumenwunders im Grab Marias, sie erinnern uns auch an die Tatsache, dass jetzt – am Höhepunkt des Sommers – die Ernte eingebracht wird. Was die Natur an schöpferischer Fülle hervorgebracht hat, nehmen wir mit in die dunkle und kalte Zeit und leben daraus. Das gilt wohl auch für unser Leben als Ganzem: Nur wozu wir Ja gesagt haben, das kann und wird sich wandeln; Neues kann daraus entstehen /wachsen. Aus den schmerzhaften und schwierigen Erfahrungen, wie aus den schönen und glücklichen. Das gilt für jetzt und erst recht für unser ewiges Leben bei Gott. Deshalb: Sag doch ja zu dir und mir, du bist aufgehoben - du bist aufgehoben.


Quellen: Lied:

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Text: Wilhelm Wilms