Evangelium und Gedanken zum Pfingstsonntag

Evangelium


Als es nun Abend wird an jenem Tag, dem ersten der Woche,
und die Türen verriegelt sind, dort wo die Jünger sind,
aus Furcht vor den Juden,
kommt Jesus tritt in die Mitte und sagt: Friede euch!

Wie er das sagt, zeigt er ihnen die Hände und die Seite.
Da ergreift die Jünger Freude, weil sie den Herrn sehen.

Jesus sagt noch einmal: Friede euch!
Wie mich der Vater sendet, so schicke ich auch euch.

Und wie er das sagt, haucht er sie an und sagt ihnen:
Empfangt Heiligen Geist!

Wenn ihr welchen die Sünden nachlasst, so sind sie
          ihnen nachgelassen.
Wenn ihr sie welchen behaltet, bleiben sie behalten.

Johannes 20,19-23

Gedanken

Der heilige Geist, die Kraft Gottes, ewige Energie,
die alles in ALLEM und alles in ALLEN bewirkt;
die Kraft Gottes, in der die Persönlichkeit Gottes wirkt,
so dass wir auch zu ihr „Du“ sagen können.

In vielen Bildern und Symbolen wird uns diese Kraft verdeutlicht:

STURM: unsichtbare, starke Kraft;

SÄUSELN DES WINDES: sanfte, schmeichelnde Kraft;

ATEM: lebenspendende Kraft;

FEUER: verwandelnde Kraft, Energie;

ZUNGEN: Kraft, die Verstehen, Dialog und Kommunikation bewirkt;

QUELLWASSER: einende Lebenskraft im Kosmos, Kraft zum alltäglichen Leben;

Kraft, die „ausgegossen“ wird und eingegossen in unsere Herzen.
Die Kräfte, die wir zum Leben brauchen, können wir nicht selbst erzeugen.
Wir sind zu diesen Kräften fähig, aber sie müssen in uns „angeregt“, „entfacht“, „entzündet“ werden.

Solche Urkraft der Anregung müssen wir EMPFANGEN.

Diese Einsicht ist die Voraussetzung, dass ich den Heiligen Geist empfangen kann. Wer meint, dass er alles selbst machen kann im Leben, wird immer scheitern. Diese Einsicht gibt meinem Leben die Grundeinstellung zum Empfangen:

Bitten und Danken.

„Bittet, und ihr werdet empfangen, damit eure Freude vollkommen ist“ (Joh 16,24).

Die vielen Kräfte, die der Geist erzeugt, bewirken alle dies eine:
Die unzerstörbare Freude, das Glück des Menschen schon hier auf Erden.
Das Glück des Menschen ist kein Verdienst.

Das Glück ist auch nicht machbar, aber es verlangt vom Menschen einen Beitrag: den Dienst am Leben, den Dienst an der Liebe.

„Das Glück stellt sich ganz von selbst ein, wenn man am allerwenigsten an das Glück denkt und sich hingibt an eine Aufgabe“ (Elisabeth Lukas).

Glück ist das Geschenk des Geistes für den dankbar Dienenden.

Entsprechend der Vielfalt des Geistes sind auch die „Gaben des Geistes“ vielfältig:

Weisheit, Verstand,
Rat, Stärke, Wissenschaft, Frömmigkeit und
Gottesfurcht (Ehrfurcht) sind

die klassischen sieben Gaben des Heiligen Geistes.

Kindlich-konkret formuliert lassen sich folgende Kräfte nennen:

Liebekraft, Mögekraft,
Freudekraft, Friedenskraft,

Gutgehekraft, Angstvergehekraft,
Leidekraft, Sehnsuchtkraft,

Aushaltekraft, Wartekraft,
Verzeihekraft, Verzichtekraft, Mutmachekraft…

Der Johannesevangelist sieht Oster- und Pfingstereignis als EIN Geschehen. Bei ihm ist der Heilige Geist dargestellt als Kraft zur Versöhnung, als Kraft zur Vergebung.

Vergebung ist die Mutter des Lebens für uns sündige Egoisten. Ohne Vergebung ist auch irdisch gesehen kein Überleben möglich – im kleinen wie im großen. Vergebung setzt Vergebungsbedürftigkeit voraus.

Und das ist unsere große Not, weil wir von Haus aus immer noch auf Rechthaben, Rache und Vergeltung eingestellt sind.

Herr, befreie mich von allem Hochmut und von aller Vergeltungssucht, damit ich deinen Geist empfangen kann.

Elmar Gruber, Sonntagsgedanken, Lesejahr A