Evangelium und Gedanken zum Sonntag - 05.07.2020

Evangelium

In jener Zeit hob Jesus an und sprach:
„Hoch preise ich dich, Vater, Herr des Himmels
und der Erde, dass du das vor Weisen und
Klugen verborgen, Unmündigen aber enthüllt hast.

Ja, Vater du, so hat es Gefallen gefunden vor dir.

Alles ist mir von meinem Vater übergeben.
Und keiner erkennt den Sohn denn der Vater.
Und den Vater erkennt keiner denn der Sohn,
und je wem der Sohn es mag enthüllen.

Heran zu mir alle, ihr Mühenden und Überbürdeten:
Ich werde euch aufatmen lassen.

Mein Joch nehmt auf euch und lernt von mir.
Denn: Sanft bin ich und von Herzen niedrig,
und ihr werdet Aufatmen finden für euer Leben.

Mein Joch ist ja gut, und meine Bürde ist leicht.“

Matthäus 11,25-30

Gedanken von Franz Kamphaus:

Ein Jubelruf

Von den Preisen sprechen wir viel, von den Preisen weniger. Jesus umso mehr! Er stimmt ein Loblied an: „Ich preise dich, Vater…“ Stimmen wir ein? Das ist gar nicht so einfach. Die Begründung des Jubels wirft Fragen auf.

Lob der Dummheit?

Jesus preist den Vater, weil er das Evangelium „den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart“ hat. Was soll man dazu sagen? Vielleicht denken Sie: Typisch Kirche! Die gescheiten Leute werden abgekanzelt. Wer weiterdenkt, muss seinen Kopf zuhause lassen. „Opfer des Verstandes“, hat man früher gesagt und den schlichten Kinderglauben hochgejubelt… Ist’s das, was Jesus im Blick hat? Offenbar will er nicht eine bestimmte Bildungsschicht disqualifizieren, sondern eine bestimmte Haltung; er wendet sich nicht gegen die Gebildeten, sondern gegen die Eingebildeten, gegen die Leute, die sich für so klug halten, dass sie über Gott genau Bescheid wissen. Das Evangelium ist ihnen nicht deshalb verschlossen, weil sie klug sind, sondern weil sie mit Gott fertig sind. Kurz gesagt: Jesus verachtet nicht das Denken, er will, das wir umdenken, umkehren zu Gott.

Lasst Gott groß sein…

Die Weisen und Klugen – und nun zu den Unmündigen. Ihnen wird das Evangelium offenbart. Rätselhaft, oder? Alle Welt redet heute von Mündigkeit. In der Kirche ist aus allen Ecken zu hören, dass gerade auch die Laien mündig sind, in der Gesellschaft ihren Mund auftun sollen. Die Unmündigkeit gilt als Übel, dem schleunigst abgeholfen werden muss. Und Jesus jubelt sie hoch? Wie soll man das verstehen? Die Unmündigen sind den „Armen“ benachbart, die Jesus besonders am Herzen liegen. Menschen sind gemeint, deren Sehnsucht über die Welt hinausgeht, die ihr Heil nicht in ihrem eigenen Vermögen suchen. Sie sind nicht fertig mit Gott. Sie sind so arm, dass Gott ihr Reichtum werden kann. Da sie klein sind, können sie Gott groß sein lassen.

Aufatmen können

Ihnen sagt Jesus: „Kommt alle zu mir, ihr Mühenden und Überbürdeten: ich werde euch aufatmen lassen“. Sich mühen und überbürdet sein kennen sicher viele von uns. So ist das Leben: Stress in der Arbeit, Stress in den Beziehungen, gescheiterte Pläne, enttäuschte Hoffnungen. Aber es geht nicht nur darum.

Adressaten dieses Heilandsrufes sind nicht zuletzt (sondern zuerst!) alle, die unter religiösen Lasten leiden, denen der christliche Glaube nicht als Weg zur Freiheit vermittelt worden ist, sondern als Gesetz, das Leben zerstört statt fördert. Die Kirchengeschädigten sind angesprochen, alle, die denken: Das Leben ist schon schwer genug – und dazu bin ich dann auch noch katholisch.

„Komm alle zu mir“, sagt Jesus, „ich werde euch aufatmen lassen“. Eine Ruhe ohne Beruhigungstabletten, eine innere Ruhe, die von Druck und Angst befreit (auch von der Angst vor Gott), eine Ruhe, die Kraft zum Leben schenkt. Jesus eröffnet ein Leben nicht mit dem „Du musst!“, sondern , mit dem „Du darfst!“ Wer nichts zu lachen hat, darf Hoffnung schöpfen. Wer aus dem letzten Loch pfeift, darf aufatmen.