Predigt zum 2. Advent

Predigt zum 2. Advent 2021„Es geschah das Wort in der Wüste an Johannes.“
Das Wort ist nach dem Lukasevangelium ein Ereignis.
Jesus ist für uns das „lebendige Wort Gottes“, er ist ein historisches und wirksames Ereignis.
Worte können viele Wirkungen haben:
-sie lösen Gedanken und Phantasien aus
-sie beinhalten Forderungen, sogar Befehle
-sie haben Konsequenzen, z.B. Urteile
-sie können heilsam sein: gute Wünsche, Segen
-sie wecken besondere Gefühle, wie das gesungene Wort: Musik, die wir eben gehört haben und uns neue Dimensionen erschließt.
Die Bibel spricht gerade im Advent von „Umkehr“.
Wörtlich übersetzt heißt es „Um-Denken“, d.h. es geht
Zuerst um eine Haltung, dann um eine Handlung.
Der Umgang mit Worten beinhaltet viele Chancen, auch viele Gefahren:
dadurch, dass ich Dingen und Menschen einen Namen gebe, werden sie aufgewertet, wird ihre Einzigartigkeit betont und werden sie gewürdigt.
Ein Baum ist nur ein Baum, weil wir ihn so benennen.
Jeder Mensch erhält einen eigenen Namen, um die Einzigartigkeit zu betonen.
Deshalb wurde früher der Name erst bei der Taufe bekanntgegeben.
Vor allem alte Namen können wir oft übersetzen, sie beinhalten vielfach eine programmatische Aussage.
Worte können wir auch gebrauchen um Hass zu verbreiten oder Fake News. Wir können ihnen falsche Bedeutungen geben.
„Das/der Böse“ sagen wir und meinen nicht nur negative Kräfte und Veranlagungen, sondern personifizieren es: „der Teufel, der Satan“.
Das Virus wird personifiziert und dämonisiert, wenn wir sagen: „Es verbietet Urlaub und große Zusammenkünfte“.
Nein, das Virus lebt nur, wo wir es leben lassen, und Menschen sind es, die das Reisen und Zusammenkünfte verbieten.
„Der Hunger fordert jährlich Millionen Tote“ ist auch so eine Redensart. Nein, „der“ Hunger tut nichts, sondern wir Menschen lassen Millionen Menschen verhungern.
Oder: „Der Krieg fordert unzählige Tote“. Nein, Menschen ermorden mit Waffen andere Menschen.
Die Adventszeit ist für mich eine Chance, sorgsam mit Worten umzugehen, damit mir bewusst wird, was Ursachen und was Wirkungen sind.
Und: damit deutlich wird, wo wir Menschen die Verantwortung für das tragen, was geschieht.
Zu den wichtigsten Worten und Botschaften der Bibel gehört der Satz: „Fürchte dich nicht!“
365 mal steht er in der Bibel, sozusagen für jeden Tag des Jahres einmal.
Engel nehmen wir in diesem Advent in den Blick:
An ihnen sehe ich, dass Botschaft und Botschafter*innen zusammenpassen müssen, dass sie authentisch sein müssen.
So kann es sich lohnen, dass wir in diesem Advent auf unsere Botschaften achten.
Es stellt sich mir die Frage, welche Botschaft wir nicht nur verbreiten, sondern auch verkörpern wollen und können.
So ganz nach dem Motto: „Achte auf deine Worte, sie können Wirklichkeit werden“.

Stefan Spitznagel